Die Esche: Alles über den Baum und EschenholzDie Esche, auch Gemeine, Gewöhnliche oder Hohe Esche (Fraxinus excelsior) genannt, ist eine heimische Baumart. Der Anteil der Esche am heimischen Wald beträgt nur etwa ein Prozent; ist also nicht sehr hoch. Häufiger kommt die Baumart im Flurgehölz vor. Nach Buche und Eiche gehört die Esche zu den wichtigsten Laubhölzern Mitteleuropas.

Schon die alten Wikinger waren so von diesen prächtigen Bäumen beeindruckt, dass sie sie in ihre Sagenwelt aufgenommen haben: Die Esche Yggdrasil war der größte und heiligste aller Bäume, schreibt Hugh Johnson in seinem Buch „Bäume. Die Wald- und Gartenbäume der Welt“: „Die Sage berichtet, dass die Äste des Baumes die ganze Welt überspannen und sogar über den Himmel hinausreichen. In seiner Krone wohnt ein Adler, in seinen Wurzeln ein Drache. Dazwischen klettert ein Eichhörnchen hin und her und verbreitet üble Nachrede.“[1] 

Die Esche (Fraxinus), die die Fantasie der Menschen beflügelt hat, gehört in einer viel weltlicheren Einordnung zur Familie der Ölbaumgewächse (Oleacea) und hat ein Holz, dass hohen Ansprüchen genügt. Es ist fest und trotzdem elastisch. Deswegen findet es häufig Einsatz bei der Produktion von Werkzeugstielen oder Sportgeräten.

Die gemeine Esche: Ein prachtvoller Baum

Mit einer Wuchshöhe von bis zu 40 Metern zählt sie zu den höchsten Laubbäumen Europas, wird aber an ausgesetzten Standorten oft nur halb so hoch. Die Esche wird bis zu 250 Jahre alt, in der Holzwirtschaft werden die Bäume mit 70 bis 90 Jahren gefällt.

Die Esche ist Teil eines komplexen Ökosystems: Sie ist auf bestimmte Standortbedingungen angewiesen und braucht mineralische, eher feuchte Böden in nicht zu warmen, hellen Lagen, um sich optimal entwickeln zu können. Eschen leben in Gesellschaft mit vielen unterschiedlichen Tier- und Pflanzenarten. Dazu zählen beispielsweise 12 Vogelarten, 55 Säugetier-Arten oder 58 Laubmoose.

So robust sie auch ist, die Esche ist eine Baumart, die mit verschiedenen Krankheiten und Schädlingen zu kämpfen hat. Sie wird oft von Eschenkrebs befallen. Dieser entsteht durch Bakterien und Pilze. Auch der Bunte Eschenbastkäfer, die Eschen-Zwieselmotte oder die Binsenschmuckzikade setzen den Laubbäumen zu. Ein aktuelles Problem der Eschen-Population ist das Eschensterben, dass sich in Mitteleuropa ausbreitet.

Das Eschensterben

Seit Ende des letzten Jahrtausends wird die Esche durch ein Eschensterben bedroht, das wahrscheinlich von Chalara fraxinea verursacht wird. Das ist ein Schlauchpilz, der junge und alte Bäume befällt, in denen er parasitär lebt.

Die Symptome der Bäume sind abgestorbene Flecken an Stämmen und Zweigen, das Abfallen von Blättern und Absterben von Zweigen und Wipfeltrieben, was vor allem bei jüngeren Bäumen fatal enden kann. In Dänemark sind dadurch bis Ende 2012 mindestens 95 Prozent der Eschen abgestorben.

Es gibt Vermutungen, dass der Pilz sich wegen der steigenden Durchschnittstemperaturen besser in Mitteleuropa durchsetzen kann. Den Anfangspunkt machten wahrscheinlich die baltischen Staaten, mittlerweile gibt es den Pilz in Skandinavien, Großbritannien, Polen, Tschechien, Slowenien, Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Forscher gehen davon aus, dass Chalara fraxinea eigentlich aus Asien kommt: Zumindest in Japan und Korea ist die Pilzart heimisch. Die dortigen Eschenarten, scheinen allerdings eine Resistenz entwickelt zu haben – sie werden durch den Pilz nur wenig geschädigt. Nun wird versucht auch europäische Eschen, die Resistenzen aufweisen, zu selektieren und weiter zu züchten, damit uns diese Baumart weiter erhalten bleibt. Trotz alle dieser Bedrohungen bleibt die Esche ein majestätischer Baum, den wir uns in Folge noch genauer ansehen wollen.

Das Holz der Esche

Wie sieht die Esche aus?

Wie wir schon erfahren haben, sind Eschen hohe, prächtige Bäume, die bis zu zwei Meter dick werden können. Sie gehören zu den Ölbaumgewächsen wie Flieder oder Arabischer Jasmin.

An den Rändern ihres Verbreitungsgebietes kann die Esche aber auch nur strauchförmig vorkommen – das ist etwa in Norwegen der Fall.

Das Holz der Esche

Die Esche gehört zu den Kernholzbäumen mit unregelmäßiger Farbkernbildung. Aus diesem Grund sind Splint- und Kernholz manchmal unterschiedlich und manchmal gleichfarbig. Die Farbe des Holzes reicht vom Weißen ins Gelbliche, manchmal ist der Ton auch schwach Rötlich.

Ganz besonders sind Olivenkerne: Sie kommen vor allem bei alten Eschen mit schmalen Ringen vor, die auf kalkreichen Böden gewachsen sind. Sie heißen so, weil sie farblich dem Holz des Olivenbaumes ähneln.

Die Rinde der Esche

Das Holz der Esche ist ringporig, die Jahresringgrenzen sind deutlich markiert. Wegen der Ringporigkeit ist das Holz markant strukturiert und hat eine gefladerte bzw. gestreifte Zeichnung. Noch detaillierter setzt sich Dietger Grosser in dem Artikel „Das Holz der Esche – Eigenschaften und Verwendung“ mit dieser Thematik auseinander.

Die Rinde der Esche

Die Rinde junger Eschen ist erst glatt und grau. Später wird sie furchig grau bis braun. Mit 15 bis 40 Jahren setzt die Verkorkung ein. Eschenrinde jüngerer Zweige (Fraxini cortex) wurde als volkstümliches Arzneimittel verwendet: zum Beispiel als Aufguss gegen „alte Beinleiden“.

Blätter der EscheDie Blätter der Esche

Die Blätter der Esche sind regelmäßig angeordnet. Die einzelnen Blätter können bis zu 40 cm lang werden und sind eiförmig, die Blattränder sind gesägt. Die Oberseite ist dunkel-, die Unterseite hellgrün.

Einen besonderen Reiz hat das Laub, aber eigentlich der ganze Baum, wenn man ihm Laufe eines Jahres beobachtet, was wir im nächsten Abschnitt tun wollen.

Die Esche im Rhythmus des Jahres

Wie alle Pflanzen wächst und gedeiht auch die Esche im Rhythmus der Natur und der Jahreszeiten. Während sie im Winter ohne Blätter steht, treibt sie im Frühling wieder ihre Knospen aus, die im Sommer zu Früchten reifen und im Herbst in der Hoffnung, Wurzeln zu schlagen, zu Boden fallen. Wir schauen uns die Knospen und die Früchte des mitteleuropäischen Baumes genauer an.

Wann blüht die Esche?

Die Knospe der Gewöhnlichen Esche hat abgeflachte Zweige, eigenständige Knospen und Blätter in kurzen, dichten Büschen. Die Büsche werden von der Pflanze zum Schutz gegen Frost und Verdunstung gebildet. Die Blütenknospen sind stumpfer und kugeliger als andere Knospen. Eschen treiben fast gleichzeitig mit den Eichen aus. Die Knospen sind Ende Juli fertig angelegt.

Freistehende Eschen werden zwischen 20 und 30 mannbar, im Gruppenverband brauchen sie etwas länger. Die Bäume sind Zwitter, wobei ein Geschlecht reduziert sein kann. Die Blüten haben einen grünlichen Fruchtknoten und zwei Staubblätter. Die Esche ist die einzige Baumart ihrer Familie (Ölbaumgewächse), die durch Wind bestäubt wird.

Wann blüht die Esche?

Die Blütezeit zwischen März und Mai ist zwar sehr schön anzusehen, bereitet aber so manchem Allergiker unschöne Symptome. Es kann auch zu Kreuzreaktionen mit dem Ölbaum kommen; dann sind Beschwerden im Mai und Juni im Mittelmeerraum möglich.

Auch wenn es für Allergiker eine Qual sein kann – der Pollenflug gehört zur Natur. Aus den bestäubten Knospen entstehen Früchte, in denen die Saat für ein Überleben der Gattung gelegt ist. Wir sehen uns jetzt genauer an, was es mit den Früchten der Esche auf sich hat.

Wie heißt die Frucht der Esche?

Um Bäume zu bestimmen sind die Früchte immer ein gutes Hilfsmittel, so auch bei der Esche. Die Früchte sind kleine Nüsschen mit Flügel – man kann sie aufgrund der Optik als Schraubdrehflieger bezeichnen, in der Fachsprache wird das Samara oder Flügelnuss genannt. Neben dieser kennzeichnenden Optik haben die Früchte noch ein zweites interessantes Merkmal: Sie bleiben ein ganzes Jahr am Baum!

 

[1] Johnson, Hugh: Bäume. Die Wald- und Gartenbäume der Welt. Bern/Stuttgart/Wien: Haupt Verlag 2010. S. 338.

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