Tencel: Alles über die Eigenschaften von Lyocell / Tencel

 
05.09.2017

Der Begriff „Lyocell“ ist momentan in aller Munde. Das Trendmaterial, das auch als Tencel bekannt ist, ist eine sogenannte „man-made Zellulosefaser“, also eine aus natürlichen Rohstoffen industriell hergestellte Faser. Die Produktion des Materials erfolgt aus asiatischem Eukalyptusholz aus nachhaltiger Forstwirtschaft und die Faser ist biologisch abbaubar. Sie hat eine außergewöhnlich glatte Oberfläche mit seidigem Griff, wärmt ähnlich gut wie Schafschurwolle, kühlt ähnlich gut wie Leinen und ist saugfähiger als Baumwolle. Außerdem ist Lyocell ein sehr langlebiges Material. Wir verraten Ihnen in diesem Artikel Wissenswertes über das neue Trendmaterial.

So wird Lyocell hergestellt

Widmen wir uns zunächst der Fragte, wie Lyocell überhaupt hergestellt wird. Der Prozess erfolgt nach ein paar einfachen Schritten:

  • Zunächst werden kleine Schnipsel aus Eukalyptusholz eingeweicht, um den Zellstoff zu lösen.
  • Dieser Zellstoff, der auf diese Weise gewonnen wurde, wird mit dem ungiftigen Lösehilfstoff NMMO und Wasser vermischt.
  • Auf diese Art entsteht ein sogenannter Zellstoffbrei, der unter Vakuum erhitzt wird. So wird ihm das Wasser entzogen, bis sich die Zellulose löst und sich eine Spinnlösung bildet.
  • Die Spinnlösung wird filtriert und durch Spinndrüsen gepresst. Anschließend kommt sie in ein Spinnbad, in dem dann die Fasern entstehen, die anschließend weiterverarbeitet werden.

Das Besondere an der Herstellung von Lyocell ist die nahezu vollständige Kreislaufführung des verwendeten Lösehilfstoffs NMMO. Das NMMO kann durch sein gutes Wasser-Mischvermögen einfach aus der Faser entfernt werden. Das macht das Material umweltverträglich sowie biologisch abbaubar.

Lyocell – ein umweltfreundliches Material

Aufgrund seiner biologischen Abbaubarkeit bietet die neuartige Zellulosefaser eine gute, ökologische Alternative zu anderen Chemiefasern oder auch zu Baumwolle. Das macht die Faser so umweltfreundlich:

  • Das Ausgangsmaterial für die Herstellung von Lyocell ist Eukalyptusholz. Dieses stammt aus nachhaltig bewirtschafteten Plantagen in Südafrika und Asien. Die Flächen, die für den Anbau genutzt werden, sind wenig bis gar nicht für den Anbau von Nahrungsmitteln geeignet. Eukalyptus lässt sich auch im Gegensatz zu Baumwolle leicht anbauen, wächst schnell und kommt sogar ohne künstliche Bewässerung und Pestizide aus.
  • Die Faserausbeute pro Quadratmeter ist bei Lyocell im Schnitt sechsmal so hoch wie bei herkömmlich angebauter Baumwolle.
  • Für die Produktion von Lyocell wird ein hochmodernes Verfahren mit einem zu 99,7% geschlossenen Produktionskreislauf eingesetzt. Dieses Verfahren wurde sogar von der EU mit dem Europäischen Umweltpreis ausgezeichnet.
  • Das Lösungsmittel NMMO ist völlig ungiftig.
  • Die Herstellung von Baumwolle sowie Chemiefasern benötigt sehr viel Wasser. Lyocell kommt mit nur einem Bruchteil dieses Wassers aus, wodurch Ressourcen geschont werden.
  • Lyocell ist kompostierbar und damit biologisch abbaubar.

Lyocell im Schlafzimmer

Doch wie schlägt sich das umweltfreundliche Material im Vergleich zu anderen Materialien? Werfen wir einen kurzen Blick auf seine Eigenschaften:

  • Lyocell kühlt bei warmen Temperaturen besser als Leinen und wärmt bei Kälte ähnlich gut wie Schafschurwolle. Das sorgt für gleichbleibend angenehme Temperaturen. Hitzestaus und Frieren sollten hiermit nicht auftreten. So sollte ein angenehmes Klima im Bett gesichert sein, welches essenziell für einen erholsamen Schlaf ist.
  • Lyocell verfügt über eine mikrofeine Faserstruktur, wodurch es Feuchtigkeit sehr schnell ins Faserinnere transportiert. Diese Feuchtigkeit wird ebenso schnell wieder an die Raumluft abgegeben. Die Faser kann übrigens ca. 50% mehr Feuchtigkeit aufnehmen als herkömmliche Baumwolle. Somit ist das Material für Sie auch geeignet, wenn Sie nachts stark schwitzen, denn es sorgt für ein gesundes, trockenes Schlafklima. Als Nährboden für Bakterien ist Lyocell damit sehr unattraktiv.
  • Sie können Bettdecken  aus Lyocell bei 60 Grad waschen und sie sind zudem trocknergeeignet. Dadurch sind sie nicht nur pflegeleicht, sie eignen sich auch für Allergiker und alle, die waschbare Steppwaren bevorzugen.

So nimmt es Feuchtigkeit auf

Tencel nimmt Feuchtigkeit sehr zügig auf und gibt sie schnell wieder an die Raumluft ab. Trotz ansteigender Luftfeuchtigkeit hat das Material immer noch freie Kapazitäten für den Abbau von Feuchtigkeit vom Körper. Im Vergleich zu anderen Materialien weist Lyocell die höchste Feuchtigkeitsaufnahme auf.

Dies ist der einzigartigen Fibrillenstruktur des Lyocell geschuldet. Fibrillen sind winzige Bestandteile, aus denen sich die Fasern zusammensetzen. Submikroskopisch winzige Kanäle zwischen den einzelnen Fibrillen sorgen für die optimale Aufnahme und Abgabe von Feuchtigkeit.

Tencel und Bakterienwachstum

Das Material kann das Bakterienwachstum auf natürliche Weise und komplett ohne chemische Zusätze reduzieren. Dadurch, dass entstehende Feuchtigkeit so zügig abtransportiert wird, wird die Bakterienbildung schon im Ansatz verhindert. Auf der Faser entsteht kein Feuchtigkeitsfilm, welcher als Nährboden für Bakterien dient. Bei Synthetikfasern steigt die Anzahl der Bakterien im Vergleich bis auf das 2000-fache an!

Lyocell waschen: So geht’s

Sie können die Lyocell Bettdecke in der Waschmaschine bei bis zu 60 Grad waschen. Wählen Sie einen schonenden Waschgang mit maximal 800 Schleudertouren. Waschen Sie größere Bettdecken (ab einer Größe von 140 x 200 cm) im Waschsalon in der 10 kg Trommel oder geben Sie sie in die Wäscherei!

Da zu wenig Wasser eine starke mechanische Reibung erzeugt, die zum Verfilzen der Fasern führen kann, waschen Sie die Decke mit möglichst viel Wasser. Ziehen Sie die Decke nach dem Waschen in Form und trocknen Sie sie möglichst liegend. Wenn Sie die Decke lieber in den Trockner stecken möchten, wählen Sie eine Schontrocknung bei reduzierter Temperatur. Bügeln oder bleichen Sie die Decke nicht!

Oftmals reicht auch einfaches Lüften, um die Fasern zu regenerieren! Je weniger Sie waschen, umso weniger werden die wertvollen Fasern strapaziert.

Lyocell vs. Daunen

Lyocell ist im Gegensatz zu Daunen keine reine Naturfaser. Das stört aber nicht, denn die Eigenschaften sind ähnlich gut: Lyocell sorgt für einen angenehmen Temperaturausgleich und hat eine hohe Trocken- und Nassfestigkeit, welche es vor allem im Vergleich zu Daunen sehr pflegeleicht machen. Lyocell kann einfach in der Maschine gewaschen werden, während bei Daunen eher eine professionelle Reinigung empfohlen wird.

Daunen haben jedoch in puncto Wärmeleistung die Nase vorn. Bei geringerem Gewicht können Daunen die Wärme besser speichern als Lyocell. Außerdem sind Daunen meist auch anschmiegsamer als synthetische Produkte, jedoch oft auch teurer. Welchem Material der Vorzug gegeben wird, ist somit eine reine Geschmackssache, denn beide haben ihre Vor- und Nachteile.

Lyocell ist nicht nur ein Trend, hinter dem unscheinbaren Wort steckt auch einiges dahinter. Die feine Faser ist langlebig, punktet durch ihre temperaturregulierenden Eigenschaften und ist biologisch abbaubar. Kein Wunder, dass das Material so viel Beachtung erfährt. Vielleicht konnte dieser Artikel ja auch Ihr Interesse an Lyocell wecken. 

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