Bandscheibenvorfall an der HWS

Ein zervikaler Bandscheibenvorfall, also ein Bandscheibenvorfall an der Halswirbelsäule (HWS), muss nicht zwingend schmerzhaft sein, sondern bleibt manchmal sogar unentdeckt. Aber woran erkennt man im Zweifelsfall einen HWS-Bandscheibenvorfall? Hier finden Sie die häufigsten Symptome, Methoden der konservativen Therapie und eine Antwort auf die Frage, wann eine Bandscheiben-OP an der Halswirbelsäule nötig ist!

  

Inhaltsverzeichnis

  1. Was passiert beim zervikalen Bandscheibenvorfall?
  2. Symptome: Wie kann man einen Bandscheibenvorfall an der HWS erkennen?
  3. Dauer eines Bandscheibenvorfalls in der HWS
  4. Behandlung & Therapie eines Bandscheibenvorfalls in der HWS

Was passiert beim zervikalen Bandscheibenvorfall?

Anstoß zum Bandscheibenvorfall geben – aber was passiert dabei eigentlich genau?

Bandscheibenvorfall im 5., 6. und 7. Wirbel – was heißt das?

Die Halswirbelsäule umfasst 7 Wirbel, die von oben nach unten mit C1 bis C7 durchnummeriert sind. Ein HWS-Bandscheibenvorfall ereignet sich in aller Regel im Bereich der unteren Halswirbel, also bei C5/C6 oder C6/C7. Dieser Abschnitt ist der beweglichste Teil der Halswirbelsäule und dementsprechend schwer im Einsatz.

Die Bandscheiben sind gewissermaßen die Stoßdämpfer der Wirbelsäule. Sie befinden sich zwischen den Wirbelkörpern und haben einen gallertartigen Kern, der von einem Faserring umgeben wird. Bei einem Bandscheibenvorfall reißt dieser Faserring ein und die Masse im Inneren tritt aus; bei der Halswirbelsäule spricht man dann von einer zervikalen Diskushernie.

Dieser Vorgang kann, wie bereits erwähnt, völlig unbemerkt bleiben. Beschwerden treten erst auf, wenn die Gallertmasse Druck auf die Spinalnerven und das Rückenmark ausübt oder wenn sie mit den Nervenwurzeln in Berührung kommt und eine entzündliche Reaktion auslöst. Der Schmerz breitet sich in so einem Fall durch die Nervenbahnen aus – und lässt sich spätestens jetzt nicht mehr so leicht ignorieren!

Bandscheibenvorfall versus Bandscheibenprotrusion in der HWS

Neben dem Bandscheibenvorfall (Prolaps) gibt es außerdem noch die Bandscheibenprotrusion. Dabei bleibt der Faserring zwar intakt, die Gallertfüllung wölbt sich jedoch vor, sodass sich die Bandscheibe insgesamt verformt. Auch dann entsteht (schmerzhafter) Druck auf die umliegenden Nerven.

Und wen betrifft nun so ein Bandscheibenvorfall an der Halswirbelsäule? Nun ja: Oft bereiten die Bandscheiben bei älteren Menschen Probleme, ganz einfach deshalb, weil auch die Wirbelsäule irgendwann natürliche Verschleißerscheinungen zeigt.

Allerdings kann ein HWS-Bandscheibenvorfall genauso gut bei jüngeren Menschen auftreten, zum Beispiel durch ein Schleudertrauma nach einem Unfall oder aufgrund von dauerhaften Fehlhaltungen. So eine ungünstige Körperhaltung nehmen vor allem oft Menschen an, die viel am PC arbeiten und sich dabei wenig bewegen. Um einen Bandscheibenvorfall an der HWS vorzubeugen, kann ein individuell angepasstes Schlafsystem behilflich sein.

Symptome: Wie kann man einen Bandscheibenvorfall an der HWS erkennen?

Manche HWS-Bandscheibenvorfälle verursachen keine spürbaren Schmerzen. Bei anderen wiederum sind die Nerven betroffen, sodass der Schmerz unweigerlich in die entsprechenden Körperbereiche ausstrahlt – Zeit für eine kurze Übersicht der Symptome!

Kopfschmerzen, Schwindelgefühl und Übelkeit

Sie verspüren auf einmal oder schon seit längerem migräneartige Kopfschmerzen, gemischt mit Übelkeit, Schwindelgefühlen, Ohrengeräuschen oder Nackenschmerzen? Dann ist es gut möglich, dass dahinter ein HWS-Bandscheibenvorfall steckt.

Die Übelkeit zum Beispiel ist eine Reaktion des vegetativen Nervensystems auf die Schmerzen. Diese wiederum können von Verspannungen im Nacken als Folge eines Bandscheibenvorfalls kommen. Solche sogenannten Myogelosen behindern die Durchblutung, sodass der Kopf Warnsignale in Form von Störgeräuschen oder Schmerzen sendet. 

Kribbeln und Taubheitsgefühl im Arm

Bei einem Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule kann es passieren, dass das Bandscheibengewebe nicht nur auf die Nerven, sondern auch auf das Rückenmark drückt.

Im schlimmsten Fall wird dadurch die Nährstoffversorgung des Brustkorbs gestört und es entstehen Atembeschwerden. Wenn Sie also im Arm bzw. bis in die Fingerspitzen ein Kribbeln verspüren oder gar den Arm nicht mehr spüren, sollten Sie unbedingt ärztliche Hilfe suchen.

Schmerzen im Nacken, Oberarm und Schulterblatt

Liegt der Bandscheibenvorfall in den oberen Halswirbeln, äußert sich das oft in ausstrahlenden Nackenschmerzen. Wenn sich also der Schmerz vom Hals nach unten auszubreiten scheint und in der Nacht schlimmer wird, handelt es sich womöglich um einen HWS-Bandscheibenvorfall.

Ein besonders Warnsignal ist es, wenn im Arm ein Schwächegefühl entsteht. Dieser motorische Ausfall kann auf eine Spinalkanalstenose hindeuten: Dabei verursacht der Prolaps Druck auf das Rückenmark, weil der Nervenkanal im HWS-Bereich verengt wird. Auch in so einem Fall heißt es: ab zur ärztlichen Untersuchung.

 

Dauer eines Bandscheibenvorfalls in der HWS

Ein spürbarer HWS-Bandscheibenvorfall ist leider alles andere als angenehm. Zum Schmerz gesellen sich oft noch Sorgen, wie lang einen der Bandscheibenvorfall nun außer Gefecht setzen wird. Zur Beruhigung sei schon einmal so viel verraten: Es gibt durchaus gewisse Zeitfenster, an denen man sich orientieren kann!

Wie lange ist man nach einem HWS-Bandscheibenvorfall krank?

Diese Frage pauschal zu beantworten, ist schwierig, denn natürlich kommt es immer darauf an, wie gravierend der Bandscheibenvorfall ist und wie schnell der Körper allgemein heilt. Nach etwa 6-8 Wochen konservativer Therapie sollten allerdings die meisten Beschwerden abgeklungen sein.

Das heißt nicht, dass Sie mit einem HWS-Bandscheibenvorfall bis zu zwei Monate ruhig im Bett liegen müssen – ganz im Gegenteil! Leichte Bewegung ist absolut zu empfehlen, aber dazu später mehr. An dieser Stelle bleibt nur zu sagen, dass es ganz vom Beruf abhängt, wie lange man sich krankschreiben lassen sollte.

Wenn Sie einen körperlich sehr anspruchsvollen Beruf ausüben, sollten Sie möglichst 4-6 Wochen lang diese Belastung meiden. Bei Bürotätigkeiten wiederum kann es sein, dass Sie schon deutlich früher wieder einsteigen können.

Was sollte man nach einem HWS-Bandscheibenvorfall vermeiden?

Die meisten Betroffenen dürften sich einig sein: Ein Bandscheibenvorfall ist genug! Damit die Halswirbelsäule möglichst schnell regenerieren kann und keinen unnötigen Belastungen ausgesetzt wird, sollte man nach einem HWS-Bandscheibenvorfall vor allem diese Faktoren vermeiden:

  • Lange Autofahrten oder mehrere Stunden pausenloses Arbeiten am PC
    Dabei nimmt man unbewusst oft genau die Haltung an, die überhaupt erst zum Bandscheibenvorfall geführt hat.

  • Bewegungsarten, die mit hohem Aufprall verbunden sind 
    Dazu zählt zum Beispiel Jogging. Auch Bewegungen, bei denen die Wirbelsäule aktiv abgerundet oder einseitig belastet wird, sollten Sie nach einem Bandscheibenvorfall möglichst vermeiden. Das gilt außerdem für Sportarten, bei denen der Rumpf bzw. Kopf häufig und schnell gedreht wird, beispielsweise Tennis.

Behandlung & Therapie eines Bandscheibenvorfalls in der HWS

Die meisten Bandscheibenvorfälle in der Halswirbelsäule lassen sich mit konservativen Methoden gut behandeln, allerdings ist dabei immer ein bisschen Geduld gefragt. Also, welche Therapieoptionen gibt es nach einem zervikalen Bandscheibenvorfall?

Konservative Behandlung: Übungen beim HWS-Bandscheibenvorfall

Bei der nicht-operativen Behandlung sind Übungen für die Halswirbelsäule ein bewährtes Mittel. Wichtig ist bei solchen Übungen, dass die Wirbel im betreffenden Bereich nicht zu sehr strapaziert werden. Alle Bewegungen, die einen stark dehnenden oder stauchenden Effekt haben, sind tabu.

Die richtigen Übungen für den Einzelfall zu finden, ist nicht ganz leicht. Um zu vermeiden, dass Sie womöglich ungünstige Bewegungen ausführen, sollten Sie sich bei einem HWS-Bandscheibenvorfall deshalb unbedingt professionelle Hilfe holen. Sobald Sie unter physiotherapeutischer Anleitung gelernt haben, wie Sie am besten üben können, sollten Sie natürlich auch zuhause aktiv werden.

Abgesehen von den Übungen für die Halswirbelsäule besteht die konservative Therapie bei einem HWS-Bandscheibenvorfall aus Komponenten wie Wärmebehandlung, Schmerzmitteln und gegebenenfalls einer stützenden Halskrause. Genauso wichtig ist aber die Einstellung: Versuchen Sie, dem Schmerz nicht zu viel Raum zu geben. Denn je stärker man sich auf die Schmerzen konzentriert, desto mehr psychischer Stress entsteht und desto schwieriger wird eine schnelle Heilung.

OP nach einem HWS-Bandscheibenvorfall: Ja oder Nein?

Eine konservative Therapie dauert in der Regel 6-8 Wochen. Wenn sich die Situation nach dieser Zeit nicht wesentlich verbessert hat, ist der nächste Schritt oft die Bandscheiben-Operation. Dabei wird die beschädigte Bandscheibe entfernt und durch Abstandhalter ersetzt, sogenannte Cages oder Prothesen. Im Anschluss daran folgt meist eine Rehabilitationsphase von 3 Wochen.

Unbedingt erforderlich ist dieser Eingriff, sobald Lähmungserscheinungen auftreten oder sich herausstellt, dass es sich um eine Spinalkanalstenose handelt. Solche Fälle lassen sich nicht durch konservative Methoden heilen. Auch deshalb ist es wichtig, lieber zu früh als zu spät zum Hausarzt zu gehen.

Sport nach dem Bandscheibenvorfall in der HWS

Wie bereits erwähnt: Allzu lange Ruhepausen nach einem HWS-Bandscheibenvorfall sind kontraproduktiv! Bewegung ist auf jeden Fall empfehlenswert – solange es der richtige Sport ist. Rücken- und nackenfreundliche Sportarten sind zum Beispiel Nordic Walking, Yoga bzw. Pilates und Rückenschwimmen oder Kraulen. Achtung: Brustschwimmen wiederum sollten Sie nach einem HWS-Badscheibenvorfall vermeiden!

Glücklicherweise sind Bandscheibenvorfälle an der Halswirbelsäule im Vergleich zum LWS-Bereich eher eine Seltenheit. Wer doch betroffen ist, ist am besten damit beraten, frühzeitig eine fachmännische Meinung einzuholen. Denn mit einer raschen Diagnose und konservativer Therapie lassen sich die meisten HWS-Bandscheibenvorfälle effektiv behandeln – und Sie können bald wieder Ihrem ganz normalen Alltag nachgehen!

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